Vor einigen Jahren noch hatte ich das Gefühl, dass Coverversionen zumindest in meinem Umfeld eher verschrien wären. Die meisten seien ja total unkreativ und absolut langweilig. Das sah ich damals und sehe ich auch bis heute anders. Gerade die Herangehensweise vieler Künstler*innen, aus dem Werk anderer Artists etwas Eigenes zu machen, begeistert mich immer wieder aufs Neue. Da es so viele verschiedene Genres gibt und mir bewusst ist, dass nicht alle immer jedes mögen, versuche ich, meine Empfehlungen ein bisschen danach zu trennen.

Heute starte ich mit den ersten fünf Songs, die in der Coverversion deutlich rockiger sind als davor, teilweise mit Ausflügen in Richtung Pop Punk, Post Hardcore und Elementen aus dem Bereich des Metal.

VON WELT – Fata Morgana (Original von Nina Chuba)

Meine erste Empfehlung stammt von einer Band aus dem Schwarzwald, die mir seit unzähligen Jahren nie komplett aus dem Kopf geht. Eigentlich wagten VON WELT erst nur eine kleine Spielerei im Studio und veröffentlichten davon einen Snippet auf Social Media. Tausende von positiven Reaktionen führten schließlich zu dieser grandiosen Vollversion, die ich nur allzu gern auf Repeat höre. Die dem Song Fata Morgana innewohnende Mischung aus Wut, Verzweiflung und Schmerz bekommt durch die düstere und rockige Instrumentalisierung, gepaart mit den rauen Parts in Nicos Stimme, einen entscheidenden Boost an Melancholie.

All Time Low – Blinding Lights (Original von The Weeknd)

Weiter geht es mit einer Band, die mich auch schon lange musikalisch prägt und die ich in 2026 endlich live erleben werde. Während das Original von Blinding Lights vor allem von einem synthetischen 80’s-Sound besticht, transformieren All Time Low den Song mit der eher treibenden und ebenfalls etwas raueren Spielweise des Pop Punk, ohne jedoch komplett mit dem Vibe des Originals zu brechen. Mit der etwas ungeschönteren Spielweise heben sie die Melancholie des Liedes für mich auf ein neues kreatives Level, was insbesondere im direkten Vergleich zur etwas glatter klingenden Variante von The Weeknd auffällt.

PVRIS – Chandelier (Original von Sia)

Mein dritter Musiktipp stammt aus der legendären Punk Goes Pop-Reihe: PVRIS liefern mit ihrem Cover von Sias Welthit Chandelier eine besonders verletzlich klingende Neuinterpretation einer ekstatischen und dramatischen Pop-Hymne. Während Sia die Intensität des Exzesses und Schmerzes mit einer technischen Perfektion in ihrer Stimme überträgt, nutzen PVRIS dafür eine düstere und elektronisch angereicherte Rock-Instrumentalisierung und die rauen und brüchigen Gesangsparts von Sängerin Lyndsey.

Our Last Night – The Fate Of Ophelia (Original von Taylor Swift)

Mein nächstes Highlight im heutigen Beitrag ist ein ganz besonderes und für mich sehr bedeutsames Goldstück aus meiner Playlist: Dieses Cover vereint zwei ganz besondere Extreme meines Musikgeschmacks. Der Pop-Ohrwurm The Fate Of Ophelia von Taylor Swift trifft auf den brachialen Sound von Our Last Night. Das Cover startet noch vermeintlich harmlos mit sanfteren Gitarren und clean Vocals und baut sich dann Stück für Stück auf bis es kurz vor Schluss in kraftvollen Shouts aufgeht. Tatsächlich hat die Band auch bereits andere tolle Pop-Songs in ihrem eigenen Stil neu interpretiert und sagen wir mal so… die Chancen stehen ganz gut, dass ich ein paar davon noch in einem anderen Beitrag hier erwähnen könnte, weil sie einfach nur großartig sind.

A Day To Remember – Over My Head (Cable Car) (Original von The Fray)

Meinen letzten Tipp widme ich dem größten musikalischen Kontrast des heutigen Beitrags: Mit Over My Head (Cable Car) wird eine eigentlich sehr klaviergetriebene und melancholische Ballade von The Fray, die für leise Verzweiflung und Überforderung steht, komplett transformiert. Wie A Day To Remember das machen? Mit druckvollen Gitarren, einen strafferen Rhythmus und einem starken Kontrast zwischen cleanen Vocals und dreckigen trotzig klingenden Shouts wird der Song zu einem lauten und sehr entschlossen klingenden Wutausbruch. Fast so, als würde das Lied schreien: Jetzt erst recht!!!!

Diese fünf Beispiele zeigen perfekt, dass eine gute Coverversion weit mehr ist als eine bloße Kopie. Sie ist eine mutige und eigenständige emotionale Neuinterpretation, die die innewohnenden Gefühle des Originals durch eine neue musikalische Sprache möglicherweise noch stärker zum Vorschein bringt oder sogar einen kleinen Twist einbaut. Ich hoffe, ich konnte dir damit ein paar Vorurteile nehmen und freue mich schon auf den nächsten Beitrag dieser Art.

Kategorien:
Playlists · Alles · Musiknews
Schallgefluester
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.