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In meiner Jugend überredete ich meine Eltern zu zahlreichen Konzerten und schlief im Alltag immer wieder zu Musik ein, die andere Leute eher pushte. Denn aus irgendeinem Grund machte sowas meinen Kopf ruhiger statt lauter.
Erst heute verstehe ich langsam, warum das wahrscheinlich nicht nur eine seltsame Eigenart von mir war:
Ich musste nämlich erst 31 Jahre alt werden und in ein Burnout rutschen, bis ich die Diagnose ADHS und die Verdachtsdiagnose Autismus bekam.
Was das jetzt miteinander zu tun hat?
- im Idealfall filtert dein Gehirn irrelevante Reize im Alltag automatisch raus
- bei Autismus und ADHS gibt es aber oft mit genau dieser Filterung Probleme
Autistische Menschen lernen außerdem oft schon früh,
- soziale Reaktionen,
- Tonfall,
- Umgebungsreize
- und das eigene Verhalten
dauerhaft mitzudenken, um weniger anzuecken.
Und anstatt völlig natürlich zu reagieren, werden Reaktionen, bewusst und unbewusst
- angepasst,
- überspielt
- oder unterdrückt
Auch Menschen mit ADHS maskieren häufig, zum Beispiel ihre Impulsivität, Unruhe oder Überforderung. Und dieses sogenannte „Masking“ ist psychische und körperliche Höchstleistung.
Menschen mit ADHS erleben außerdem oft gleichzeitig Reizüberflutung und Unterstimulation.
- Hier geht es aber gar nicht um die Menge der Reize, sondern um deren Kontrollierbarkeit.
Rückblickend ist es so krass, wie sehr mich schon in meiner Kindheit und Jugend kleinste unkontrollierbare Geräusche gestört haben, ich deshalb aber nur als “Sensibelchen” galt.
- Das Schnarchen meines Vaters im Schlafzimmer nebenan
- das Trampeln der Nachbarskinder
- die Geräusche der Bahngleise
- das Klackern der Heizungsrohre
- und nichts davon ließ sich so einfach beseitigen.
Was habe ich also gemacht?
Ich habe Tag und Nacht Musik gehört, die möglichst viel davon überdeckt hat, um nicht durchzudrehen.
Studien geben einen Hinweis darauf, dass ich damit auch nicht besonders merkwürdig bin:
Besonders rhythmische, vertraute und ein Stück weit vorhersehbare Musik kann dabei helfen, emotionale Unruhe zu regulieren und störende Reize besser auszublenden.
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Musik hören den Blutdruck und die Herzfrequenz beruhigen kann – selbst beim Hören von Heavy Metal.
Unsere Gehirne arbeiten bei Musik außerdem ständig mit Erwartungen: Wenn diese Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen werden, werden emotionale und neurologische Belohnungssysteme aktiviert – und mein neurodivergentes Hirn so: YAY! Botenstoffe!
Wenn ich mir also Musik auf meine Kopfhörer packe, dann nicht, weil ich unhöflich bin, sondern weil ich aktiv mein Nervensystem entlaste.
Und gerade in rockigerer oder härterer beschreiben Menschen auffällig oft Gefühle, bei denen ich früher dachte, ich wäre allein damit. Ich fühle mich also verstanden und validiert, ohne unklare soziale Regeln beachten zu müssen. Ich kann loslassen, emotional werden und einfach ich sein.
Und wahrscheinlich ist es genau das, wieso ich schon auf hunderten von Konzerten war:
- ich höre Songs, die eh schon was in mir auslösen
- mit kleinen Veränderungen in der Live-Version… das ist gleichzeitig vertraut und trotzdem neu
- ich spüre die Instrumente und Stimmen
- sehe die Bands und Artists & kann mit ihnen direkt interagieren (sry not sry, dass ich dabei oft voll weird aussehe)
- und um mich herum sind Menschen, die diese Musik auch fühlen und wir singen, pogen, lachen, weinen, grölen…
Ob nun von der Platte oder live… für mich war Musik hören schon immer ein sich-gesehen-fühlen, gepaart mit emotionaler und körperlicher Regulation.




