Schallgefluesters 6+ Girl Pop Empfehlungen in 2026

Veröffentlicht: 1. Mai 2026

Popmusik wird immer noch erstaunlich oft belächelt. Für manche gilt sie als zu glatt, oberflächlich oder zu kommerziell. Gerade letztere Einschätzung kommt interessanterweise nicht selten von genau den Leuten, die dann wiederum ohne mit der Wimper zu zucken zum Teil mehrere hundert Euro für die zwanzigste Tour ihrer männlich dominierten Lieblingsband ausgeben. Aber das ist ja auch was anderes, die machen ja schließlich „echte Musik“!

Sobald Frauen insbesondere im Pop stärker im Mittelpunkt stehen, wird es schon erstaunlich oft absurd: Dann wird lieber über Social Media, Ästhetik, Vermarktung oder vermeintliche „Mädchenmusik“ gesprochen, anstatt sich ernsthaft mit dem auseinanderzusetzen, was hier inhaltlich und musikalisch eigentlich passiert.

Gerade deshalb möchte ich mit diesem Beitrag bewusst einigen weiblich gelesenen Pop-Acts Raum geben, die meiner Meinung nach deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient haben, ohne dabei ohnehin schon in Dauerschleife im Radio stattzufinden. Denn abseits der ganz großen Namen gibt es unzählige Künstler*innen, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, wie vielseitig, spannend und emotional Popmusik im Jahr 2026 eigentlich sein kann.

Passend dazu findest du am Ende dieses Beitrags außerdem noch eine Playlist mit Songs der hier erwähnten Artists sowie weiterer spannender weiblich gelesener Pop-Künstler*innen sämtlicher Bekanntheitsgrade, bei denen sich das Reinhören meiner Meinung nach auf jeden Fall lohnt.

Sandra Hesch: Feministischer Pop zwischen Verletzlichkeit & Provokation

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Fairerweise dachte ich durch die vielen Promo-Clips auf Instagram, dass Sandra Hesch aus Wien nur eine von diesen seltsamen Influencer*innen, die plötzlich Musik als neue Einnahmequelle erschließen wollen ist. Was ich an ihrer Musik liebe, sind die vielen feministischen Themen in ihren Songs. Im Juli 2023 blieb mir zuerst der Song You Problem im Kopf hängen, wenig später folgte People Pleaser. Eine ganz besondere Empfehlung ist der unfassbar verletzliche Song Blaues Kleid, der allerdings nichts für schwache Nerven ist. Also vielleicht skippen, wenn du besonders empfindlich auf das Thema sexueller Übergriffe reagierst…

Release für Release sind immer von Sandras Songs in meinen Lieblingsliedern gelandet. Auf ihren sozialen Medien kann man richtig gut verfolgen, wie sie neben ihren Songs und ihrer Stimme auch immer wieder an ihren Performance-Skills arbeitet. Manchmal ist mir die eine oder andere Line aus ihren deutschsprachigen Songs zu viel und auch die Promo-Videos sind teilweise etwas zu gezielt auf Provokation ausgelegt, aber letztlich muss man halt auch anerkennen, dass sie einfach auf klassische Short Video Promo angewiesen ist. Für mich hat Sandra Hesch das Potenzial zur großen Schwester für viele, die ich mir in der Musikwelt früher schon gewünscht hätte.

FLØRE: Dark-Pop mit düsterer Ästhetik & großem Wiedererkennungswert

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FLØRE (bürgerlich: Josephine Seehawer) aus Iserlohn ist für mich der Inbegriff dieser Redensart Don’t judge a book by its cover. Denn wenn ich mir ihren Look so anschaue, dann denke ich erst einmal an härteren Rock oder sogar Punk. Auf jeden Fall ziemlich düster. Tatsächlich kann man ihre Musikrichtung wohl am ehesten als Dark-Pop einordnen.

Sie vereint eingängige Melodien und eine eher düstere Atmosphäre mit Texten über die Schwierigkeiten des Aufwachsens, Einsamkeit, Licht- und Schattenseiten der Liebe und außergewöhnliche Menschen. Gerade diese Mischung macht ihre Musik für mich so spannend, weil sie einerseits zugänglich bleibt, dabei aber oft trotzdem angenehm ungewöhnlich wirkt und einfach auffällt.

Ich feiere ihre Musik so sehr… und das mittlerweile schon seit fast vier Jahren! Hier nur mal ein paar meiner Lieblingssongs: Don’t U Dare, Sick Of Being Sad, ALIEN, WEREWOLF, MONSTER, HAPPY NEVER AFTER & Back To Bed.

Liebe FLØRE, wir kommen ja beide aus NRW… also falls du mal Fotos brauchst oder allgemein abhängen willst, es wäre mir eine Ehre, was mit dir zu starten 👉👈

Felicia Lu: Emotionaler Pop voller Selbstreflexion & starker Hooks

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Mein erster bewusster Berührungspunkt mit Felicia Lu (bürgerlich: Felicia Lu Kürbiß) aus Salzburg in Österreich war ihre Teilnahme am deutschen ESC-Vorentscheid 2022 mit ihrem Song Anxiety. Auch wenn ich bis heute finde, dass der Song selbst ihr Potenzial nicht komplett ausgeschöpft hat und ihre Live-Performance hätte stimmlich stärker sein können, blieb sie mir irgendwie im Kopf. Das ist insofern interessant, dass sie auch schon einmal 2017 ihr Glück im Contest versucht hat und es dort sogar in die Top 5 geschafft hat… was damals wiederum komplett an mir vorbeiging.

Seitdem hat sich für mich aber vor allem gezeigt, wie viel mehr eigentlich in ihr und ihrer Musik steckt. Songs wie Dead End, Run, Unlearn, Mirror, Bitch, Halfway Home oder We’re All Gonna Die laufen bei mir rauf und runter und ich frage mich immer wieder, warum Felicia Lu allein mit denen musikalisch noch nicht deutlich größere Kreise zieht.

Ich mag, wie Felicia Lu verletzliche und zum Teil sehr persönliche Lyrics mit sehr eingängigen Instrumentalen und Melodien verbindet. Und ich weiß nicht, ob ich damit allein bin, aber gerade stimmlich erinnert sie mich stellenweise an Lena Meyer-Landrut.

Zwischen einem eigenen YouTube-Channel, viel Songwriting und kontinuierlichen Releases hat sie sich in den letzten Jahren musikalisch ziemlich konstant weiterentwickelt und bringt deshalb längst deutlich mehr mit als nur ESC-Vorentscheidungs-Vergangenheit.

LØLØ: Pop-Punk-Einflüsse treffen auf kontrolliertes emotionales Chaos

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Lauren Mandel aus Toronto in Kanada, verbindet unter ihrem Künstlernamen LØLØ Pop-Punk, Alternative, Indie und Pop. Zu einem großen Teil klingt ihr Sound wie aus den frühen 2000er-Jahren inspiriert, aber klar mit modernen Einflüssen kombiniert.

Kennengelernt habe ich ihre Musik ursprünglich über u turn me on (but u give me depression), was für mich bis heute zu ihren stärksten Songs zählt. Schon früh begann sie, eigene Gedanken und Erlebnisse musikalisch zu verarbeiten. Kein Wunder also, dass ihre Songs sehr nahbar, emotional und manchmal fast ein bisschen chaotisch wirken… denn genau so ist doch auch das Leben.

Mit ihrem aktuellen Album god forbid a girl spits out her feelings! zeigt sich LØLØ 2026 noch einmal von einer verletzlicheren Seite. Die meisten der Songs klingen poppiger und ruhiger und stellen die Lyrics und Emotionen in den Vordergrund.

Ich bin ziemlich darauf gespannt, wohin ihr Weg noch führt… denn das Potenzial, noch deutlich bekannter als jetzt schon zu werden, bringt sie meiner Meinung nach definitiv mit.

SOPHIA: Verständnisvoller & motivierender deutscher Feelgood-Pop

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Das erste Mal bewusst aufgefallen ist mir SOPHIA (bürgerlich: Sophia Bauckloh) im Jahr 2023 mit ihrer Single Niemals Allein. Die Sängerin aus Wetter in Nordrhein-Westfalen verbindet in ihrer deutschsprachigen Musik oft verletzliche, ruhige Momente mit einer gewissen Portion Zuversicht und einer Stimme, die zwischen verletzlich und extrem kraftvoll variiert.

Schon 2012 nahm sie an der Castingshow Deutschland sucht den Superstar teil und kam dort immerhin bis zum „Auslands-Recall“ auf den Malediven. Es folgten erst einmal ihr Abitur und eine Ausbildung zur Goldschmiedin. Ab 2021 veröffentlichte sie ihre selbst komponierten Songs auf sozialen Netzwerken wie TikTok und Instagram. Im Oktober desselben Jahres konnte sie sich erstmals für drei Wochen in den deutschen Singlecharts platzieren.

Viele ihrer Songs bewegen sich im Spektrum des deutschen Feelgood-Pop, greifen dabei aber auch typische Struggles wie Herzschmerz, Selbstzweifel oder allgemeine Unsicherheiten wie zum Beispiel die Angst vor Ablehnung auf. Gleichzeitig zeigt sie mit Songs wie Unsympathisch, dass sie auch deutlich direkter werden kann, wenn sie nur möchte. Ein Stück weit wünsche ich mir ja, dass sie damit auch ein paar Mittelfinger an die kleingeistigen männlichen „Musikjournalisten“ richtet, die alles, was vermeintlich „weiblich“ konnotiert ist, regelmäßig durch den Dreck ziehen, wie es auch bei SOPHIA schon öfter geschehen ist.

Auf Instagram und TikTok folgen SOPHIA bereits jeweils über 300.000 Menschen. Nur zum Vergleich: LØLØ spricht mit ihrer englischsprachigen Musik potenziell eine deutlich größere Zielgruppe an, kommt aber auch „nur“ auf knapp über 300.000 Follower. Dafür, dass ich SOPHIA persönlich oft noch gar nicht als komplett allgegenwärtig wahrnehme, finde ich solche Zahlen wirklich beachtlich und wünsche ihr noch wider aller zum Teil absolut bösartigen Worte der Yannics und Dominiks dieser Welt.

Naomi Jon: Elektro-Pop mit mutiger Ästhetik & großem internationalem Potenzial

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Bei Naomi Jon war ich ehrlicherweise ziemlich lange in der Wahrnehmung gefangen, sie sei lediglich eine unterhaltsame Internet-Persönlichkeit mit wildem Humor, zum Teil absurden Videos, ständig wechselnden Haarfarben und einer Obsession mit Brokkoli. Tatsächlich bin ich ursprünglich über Reaktionen des US-amerikanischen Hair-Stylisten Brad Mondo auf sie und ihren Content aufmerksam geworden. Umso überraschender war für mich dann, wie ernsthaft und ambitioniert sie ihre Musikkarriere tatsächlich verfolgt. Erst 2024 wurde mir so richtig bewusst, dass Naomi Jon die Musik nicht nur als Sidequest einer Influencerin sieht.

Die Sängerin aus Göttingen verbindet englischsprachigen Pop mit starken elektronischen Einflüssen, auffälliger Ästhetik und einer sehr klaren künstlerischen Vision. Man merkt ziemlich schnell, dass hier nicht einfach nur Songs veröffentlicht werden, sondern ein Gesamtkonzept aus Sound, Visuals, Performance und Inszenierung entsteht. Gerade ihre Bühnenoutfits, Performances, aufwändigen Musikvideos und internationalen Touren zeigen ziemlich deutlich, wie konsequent sie größer denkt. Ich mein… sie hat sich einfach im Musikvideo für den Song Ugly die Haare abrasiert, wie krass ist das denn bitte?

Spannend finde ich dabei vor allem, dass Naomi Jon nie rein deutsch gedacht hat. Sowohl ihre Musik als auch große Teile ihres Online-Contents waren früh international ausgerichtet, was ihren Weg in größere Märkte ziemlich logisch erscheinen lässt. Aber Achtung… die Musik mag vielleicht nichts für deine jüngeren Geschwister sein, besonders auf ihrem aktuellen Album Strawberry geht es eher doppeldeutig und freizügig zu.

Wer sie immer noch nur als Influencerin mit verrücktem Styling und einer großen Schippe Selbstironie abgespeichert hat, unterschätzt ziemlich deutlich, wie viel künstlerischer Anspruch und harte Arbeit tatsächlich in ihrer Musik stecken. Ich bin jedenfalls extrem gespannt darauf, wie weit sie es noch schafft und drücke ihr die Daumen für den ganz großen internationalen Erfolg.

Playlist: Schallgefluester loves Girl Pop

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Hier geht’s zur entsprechenden Playlist auf TIDAL (aber leider mit einigen Songs weniger… hier merkt man schon stärker den Unterschied im Angebot der einzelnen Streamingdienste).

Da ich nicht sagen kann, wie oft ich die Playlist updaten werde, lohnt sich ein Abspeichern doch gleich umso mehr.

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