Kennst du dieses Gefühl, wenn eine Freundschaft nicht mehr an den Punkt zurück kommt, an dem sie sich selbstverständlich angefühlt hat?
Es ist ein sehr sensibles Thema, das zwar viele nachempfinden können, aber doch kaum darüber sprechen. Und genau deshalb möchte ich dir den Song FREUNDE von HE/RO umso mehr ans Herz legen, welcher am heutigen Freitag, den 12. Dezember 2025 erschienen ist.
„Einmalig laden" gilt nur jetzt, der Schalter für die gesamte Website.
In FREUNDE von HE/RO geht es um Erinnerungen, die wärmer wirken als das Jetzt. Um Gespräche, die früher Alltag waren und heute fehlen. Und um das stille Eingeständnis, dass man sich verändert hat. Nicht mit einem großen Knall, sondern durch eine leise Entfremdung, die im echten Leben immer wieder vorkommt. Der Song zeigt neben einem Hauch von Nostalgie vor allem, wie schwer es sein kann, wenn eine Freundschaft auseinander driftet. Er wirkt ambivalent: Einerseits hoffnungsvoll und dann doch irgendwie endgültig.
Aber grad bei dir tut’s am meisten weh
Da war’s irgendwie undenkbar
Jetzt bist du einmal in der Gegend, denkst nicht einma‘ dran, mich anzurufen
Schon okay, ich mein‘, was ist schon ’ne ganze Jugend?
Hab‘ schon gecheckt, dein neues Leben ist dir wichtig
Die Lyrics schildern konkrete Momente: eine Herz-OP, das Vergessen von Geburtstagen, die Lücke zwischen dem, was man miterlebt, und dem, was man wirklich teilen möchte. Besonders eindrücklich ist das Bild des „riesen Elefant im Raum“ – ein Problem, das früher gemeinsam bewältigt wurde, heute aber unausgesprochen bleibt.
Ob wir noch Freunde sind, kann ich dir nicht sagen
nur wie krass enttäuscht ich bin, als ging’s hier um gar nichts
Und jetzt seh’n wir uns einmal im Jahr
und wir reden, als wär‘ alles normal
Doch wenn wir noch Freunde sind,
dann nicht die von damals,
schon bisschen schade.
Musikalisch startet FREUNDE eher reduziert mit Akustikgitarre und Gesang und baut sich Stück für Stück bis zur kraftvollen und lauten Bandbesetzung und besonderer Emotionalität in den Stimmen auf – also in etwa so wie ein Gefühl, das man viel zu lange weg gedrückt hat und das plötzlich mit voller Wucht über einen hineinbricht. Dieser Aufbau verstärkt die Wirkung der Lyrics, die direkter und verletzlicher sind, als man vielleicht im ersten Moment erwarten mag. Aber klar, es geht hier um nichts weniger als die schmerzhafte Eingeständnis, dass Freundschaft und Nähe plötzlich zur Einbahnstraße geworden ist. Um Momente, in denen man merkt, dass man kein so selbstverständlicher Teil im Leben des anderen mehr ist.
Was HE/RO in meinen Augen so besonders macht: Ihre Songs funktionieren für Teenager wie für Erwachsene. Fans von früher, die mit „Die Lochis“ groß geworden sind, treffen auf neue, junge Hörer*innen, die diese Vergangenheit nicht kennen.
Auch mein eigener Weg passt da sehr gut rein: Ich habe Heiko und Roman schon früher verfolgt, manches von ihrem künstlerischen Output belächelt, aber vieles gefeiert. Leider war ich damals zu schüchtern und an mein Umfeld angepasst, um laut auszusprechen, wie respektabel ich ihren Weg finde. Dabei habe ich sogar ihren Film „Bruder vor Luder“ mehr als nur einmal gesehen.
Wie gut, dass HE/RO in letzter Zeit Stück für Stück wieder in meinen Alltag gerutscht sind. Es begann mit dem Auftauchen in meinen Spotify-Playlists, dann entdeckte ich sie auf der Twitch-Startseite und schaute spontan in ihren zweiten Stream jemals rein. Ihre Streams sind ein bunter Mix: Kahoot-Quizzes, Reactions auf alte Videos, EA FC oder Billard spielen, Spaziergänge im Wald mit „Fremdsteuerung“ oder Cafébesuche. Neulich war sogar ihr alter Wegbegleiter Liont dabei. Besonders lustig: Für den kleinen Weihnachtsbaum im Streaming-Setup durfte ich im Community-Voting den Namen vorschlagen – daraus entstand nicht nur eine kleine Taufzeremonie für „Tanneliese“, sondern sogar eine spontane Songwriting-Session.
Gerade 2025 war für mich ein turbulentes Jahr, in dem ich viel über meine Psyche, meine sozialen Prägungen und über meinen ganz eigenen Platz in der Welt gelernt habe. Meine Diagnose im Januar hat vieles erklärt, aber auch vieles neu sortiert. Und so absurd es vielleicht klingt: Genau deswegen fühlt sich ein Song wie FREUNDE gerade jetzt so passend an. Er tut weh, aber stellt auch klar, dass manche Veränderungen einfach passieren, weil das Leben uns weiterzieht.
Seit ein paar Monaten merke ich persönlich immer stärker, wie sehr mir kleine Nostalgie-Inseln wie auch HE/RO eine darstellen, verdammt gut tun. Weil sie mir den Raum geben, in Ruhe auf mich selbst zu schauen: auf vergangene und aktuelle Beziehungen, und auf all die Versionen von mir, die ich unterwegs verloren oder wiedergefunden habe. Sie erinnern mich daran, dass Entwicklung und Entfremdung oft Hand in Hand gehen. Und weil sie mir dabei helfen, meine eigenen Brüche und Wendungen nicht mehr als Scheitern zu sehen, sondern als Teil meiner Geschichte.
Ein besserer Abschluss als FREUNDE fällt mir für dieses verrückte Jahr ehrlich gesagt kaum ein. Denn der Song ist ein ehrlicher Reminder daran, dass Veränderung manchmal verdammt weh tut, aber eben auch okay ist.





