Schon früh hatte Yu einen Traum: Er wollte Musiker werden. Doch lange wusste er nicht, wie er das angehen sollte. Social Media spielte für ihn lange keine große Rolle. Erst sein Gesangslehrer brachte ihn dazu, zumindest einmal ein paar Videos auf TikTok hochzuladen und darin sein musikalisches Talent zu zeigen. Also lud Yu dort erste Coverversionen hoch – und merkte schnell, dass sich mehr Menschen dafür interessierten, als er erwartet hatte. Bis ihm schließlich sogar ein Künstler schrieb, den er selbst seit Jahren bewunderte.
Sie telefonierten. Der etablierte Musiker zeigte sich überzeugt von Yus Talent und sagte sinngemäß: Wenn du ein fertiges Album hast, melde dich bei mir. Yu war gerade einmal 19 Jahre alt, steckte mitten im Abitur und nutzte die Herbstferien, um ein komplettes Album zu schreiben, zu komponieren und gemeinsam mit einem Kollegen aus der Schweiz zu produzieren.
Mit diesem Album im Gepäck wurde er nach Berlin eingeladen. Es folgten Gespräche und viel Zuspruch, ehe er einem Musikmanager vorgestellt wurde. Was bis hierhin wie eine klassische Aufstiegsgeschichte klingt, entwickelte sich für Yu jedoch zu einem regelrechten Alptraum.
In diesem Video spricht er über Verträge, die er unter erheblichem Druck unterschrieb – in einem Alter, in dem man juristische Tragweiten kaum vollständig überblickt. Er beschreibt Strukturen, in denen Management, Booking und wirtschaftliche Kontrolle eng miteinander verzahnt waren. Er erzählt von Vorschüssen, über deren Verwendung er selbst keinen klaren Einblick hatte. Und von einer Atmosphäre, in der jungen Talenten vermittelt wird: Sei dankbar und hinterfrage nicht zu viel.
Dabei geht Yu aber auch mit sich selbst in die Kritik: Er spricht über Situationen, in denen er Kritik schlecht angenommen oder aus Angst vor dem Scheitern Entscheidungen getroffen hat, die er heute anders bewerten würde. Gleichzeitig wird deutlich, unter welchen Bedingungen das geschah. Er spricht zum Beispiel von einem unzuverlässigen Management, das wiederholt nicht erreichbar war, während er dann auf eigene Faust Produzent*innen suchte, Songs hochlud, Interviews koordinierte und eine große Tour vorbereitete. Er berichtet von einem Vertrag mit 20 Prozent Beteiligung auf sämtliche Einnahmen bei gleichzeitig fehlender Transparenz darüber, wie viel Geld überhaupt vorhanden war und wofür es ausgegeben wurde. Auf konkrete Nachfragen folgten beschwichtigende Worte, aber kaum klare Antworten.
Yu gibt offen zu, wie ihn diese Dynamiken in eine schwere psychische Krise geführt haben und wie kompliziert es ist, sich aus solchen Verflechtungen zu lösen, wenn rechtliche und wirtschaftliche Abhängigkeit ineinandergreifen.
Das Video ist keine pauschale Abrechnung mit der gesamten Branche. Es zeigt aber gut am Beispiel eines sehr jungen Künstlers, wie schnell sich Vertrauen, Erfolgsdruck und strukturelle Abhängigkeit absolut ungesund bedingen können… und wie schwer es ist, in solchen Konstellationen den Überblick zu behalten und für sich einzustehen.





