Meine Verbindung zu FJØRT
Ich kenne und mag die Band FJØRT seit 2014, habe sie seitdem oft live gesehen und eigentlich auch immer fotografiert. Ich war für sie nicht nur NRW-weit unterwegs, sondern auch in Hessen, Niedersachsen, Hamburg und sogar mein erstes Mal im Saarland. Für einige mag das normal sein, aber ich mache sowas wirklich nicht für viele Bands. Darüber hinaus habe ich oft über ihre Neuerscheinungen geschrieben und sie auch einmal interviewt. Meine Liebe zur Band und ihrer Musik geht sogar so weit, dass ich mir vor ein paar Jahren den Song Lebewohl unter meiner Haut verewigt habe. Denn wie heißt es dort so schön? Kein Zurück, nur zurück zu mir. Wer hätte ahnen können, dass mich diese Zeile noch einmal so hart treffen könnte…
Manchmal kommt leider so etwas wie das Leben dazwischen und man verliert sich ein Stück weit aus den Augen. Bei mir waren es – neben der Pandemie – vor allem das Arbeitsleben in einer Agentur gepaart mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen (Teile davon habe ich hier geschildert). Ich musste mir nicht nur meine Energie für schöne Dinge wieder hart zurück erkämpfen, sondern auch meine Angst vor dem nach draußen und dann sogar auf Konzerte gehen besiegen.
Mittlerweile war ich zumindest vereinzelt wieder unterwegs. Erst kürzlich habe ich dann glücklicherweise etwas über die FJØRT Single yin geschrieben und so kam der Stein erneut ins Rollen: Ich durfte das grandiose Album belle époque rezensieren und bekam unglaubliche Lust darauf, die Band wieder live zu sehen. In einem übermütigen Moment fragte ich also an… und anstatt wie bei so vielen anderen Konzerten mittlerweile gnadenlos geghostet zu werden, bekam ich eine Zusage und durfte mit meiner Kamera ausgestattet zu einer Show in meiner Nähe.
Alte Fans, neue Fans & technische Innovationen
Und so fuhr ich am Freitag, dem 20. März 2026, zum FZW in Dortmund, um dort meine längst überfällige Reunion mit FJØRT zu erleben. Und das nicht etwa „nur“ im kleinen Club, sondern im großen Saal mit einer Kapazität von bis zu knapp 1.300 Menschen.
Umso erstaunlicher fand ich, dass dort knapp eine Stunde vor Einlass erst eine Hand voll von Menschen stand. Aber hey, davon kannte ich immerhin direkt noch welche von „früher“ und bekam mein heiß ersehntes „Pechschwarz Ära“-Armband vom großartigen Mirko, der so oft im Publikum von FJØRT-Konzerten zu finden ist, dass er technisch gesehen eigentlich schon zur festen Crew gehören sollte. Und auch die vielen für mich neuen Leute stellten sich für mich als nette Kontakte heraus, mit denen ich die Zeit gut überbrücken konnte.

Ich weiß gar nicht, wie geläufig das mittlerweile schon ist, aber eine richtig coole Sache fiel mir im FZW direkt nach Einlass auf: Mir war bereits im Vorfeld bewusst, dass man in der Location komplett cashless bezahlt. Logischerweise betrifft das dann aber auch die Garderobe. Und hier kommt ein meiner Meinung nach ziemlich cooles System namens itemdrop zum Tragen. Man hält einfach sein Smartphone mit Bezahlfunktion oder eine Bezahlkarte seiner Wahl ans Lesegerät. Beim ersten Mal bezahlt man damit und beim zweiten holt man sich so einfach seine Jacke zurück. Ich konnte das erst überhaupt nicht glauben, aber bei mir hat das wirklich gut funktioniert. Ich frage mich zwar, was passiert, wenn dann doch mal das Smartphone leer geworden ist oder das System ausfällt, aber darüber müssen sich im Zweifel andere Leute als ich Gedanken machen…
Ashes of Pompeii: Nach 10 Jahren zurück auf der Bühne
Ich könnte jetzt voll philosophisch werden, weil ich durchaus Parallelen zwischen dem Support-Act des Abends und mir identifizieren konnte: Ashes of Pompeii waren für knapp 10 Jahre von der Bildfläche verschwunden, weil sie das Leben eingeholt hat. Doch so richtig schien das Kapitel der Band nie beendet und so nutzten sie die Gelegenheit, gemeinsam mit den fantastischen City Light Thief eine Show zu spielen. Davon bekamen dann auch FJØRT Wind und überzeugten die Band davon, auch auf drei ihrer Shows das Publikum anzuheizen. Und so stiegen Ashes of Pompeii ein bisschen klischeehaft wie Phönixe aus der Asche und begleiteten FJØRT auf ihrer Tour in Berlin, Wiesbaden und eben auch Dortmund.
Etwas lustig ist, dass ich mir schon vorab recht sicher darüber war, sie auch vor ihrer langen Pause schon einmal live gesehen und für gut befunden zu haben. Ein Blick in meine last.fm-Statistik konnte dann das Rätsel lösen. Mein Hörzeitraum im Oktober und Dezember 2016 brachte mich darauf, dass ich sie tatsächlich schon einmal mit FJØRT auf deren Herbstreise-Tour im Oktober 2016 erlebt habe.

Für mich passte die Band auch an diesem Abend mit ihrem englischsprachigen Post-Hardcore wieder sehr gut ins Gesamtbild. Klar merkte man ihnen ein wenig an, dass sie die Bühne so nicht mehr unbedingt gewohnt waren, aber für mich machte es die Show umso unterhaltsamer.
Umbaupause mit klarer Haltung
Nach einer meiner Meinung nach ziemlich erträglich langen Umbaupause fiel mir ein Switch in der Atmosphäre auf. Denn plötzlich lief in der Location der Song Everybody Supports Women von SOFIA ISELLA auf. Zufall? Ich denke nicht.
Dieser Eindruck bestätigte sich für mich dann auch, als direkt nach dem Song eine vorab aufgezeichnete Nachricht an das Publikum abgespielt und visuell am Bühnenhintergrund dargestellt wurde. Mit aller Deutlichkeit wurde hier klar gemacht, dass hier nur tolerante Menschen willkommen sind, die Anderen unabhängig etwa von der Herkunft, dem Aussehen, sexueller Orientierung oder Selbstidentifikation auf Augenhöhe begegnen. Und gerade kurz nach dem starken Medienecho rund um den Fall Collien Fernandes/Christian Ulmen fühlte sich eine solche Nachricht noch einmal umso wichtiger an. Und schon war ich das erste Mal an diesem Abend den Tränen nahe…
FJØRT: In der Ruhe liegt die Last
Und dann ging es auch schon los. Opener der Show war ær – ein Song, der meiner Meinung nach besonders von seinen starken Kontrasten lebt. Sofort begann auf jeden Fall in den ersten Reihen das Headbangen und emotionale Mitschreien der Lyrics, während vor allem Bassist und Sänger David mit seiner gewohnten Energie über die Bühne flitzte. Mir war sofort klar: Fuck yeah, hier bin ich richtig.
Mit Südwärts und Anthrazit kitzelte das Trio dann während meiner stark begrenzten Zeit im Pressegraben noch so richtig die nostalgischen Gefühle heraus. Ich hab’s vermisst. Ich hab’s so richtig krass vermisst.
Ich hatte mir die Setlist bereits im Vorfeld einmal angesehen und war etwas traurig darüber, dass zwei meiner Favoriten von belle époque es leider nicht drauf geschafft haben (rott & danse). Doch ich muss wirklich sagen, dass FJØRT auf dieser Tour dennoch ein geniales Zusammenspiel ihrer bisherigen Alben gelungen ist. Klar könnte ich mich jetzt darüber beschweren, dass die Tracks vom besonders brachialen Demontage keine Beachtung gefunden haben, aber vielleicht kann ich die Band ja in Zukunft auch mal von einer Art Eras Tour überzeugen.
Apropos Eras Tour… die wurde ja in Swiftie-Kreisen auch wegen einiger Fails liebevoll Errors Tour genannt. Davon konnte besonders David an diesem Abend auch ein Liedchen singen, als er seinen Bass so sehr verstimmt hatte, dass es tatsächlich eine Weile brauchte, bis dieser wieder einsatzbereit war. Doch kein Problem, selbst eine solche Zwangspause überbrückte die Band mit ihrem gewohnten Humor und viel Lob für ihre Fans und Crew.
Was mir im Vergleich zu früheren FJØRT Shows verdammt gut gefiel: Die Band spielt mittlerweile viel mehr mit Lichteffekten und Visuals. Mich hat zwar das zeitweise Überangebot von Licht innerhalb der ersten drei Songs dann sogar ein Stück weit überfordert, aber ich feiere die visuelle Wirkung, wenn die Band zum Teil so richtig vor dem Bühnenhintergrund hervortritt. Natürlich hatten die Taschenlampen an den Mikrofonständern bei sonst eher wenig Licht früher ihren ganz besonderen Charme, aber es macht auch schon echt was her, wenn etwa bei mir zum Song passende Fotos im Hintergrund eingeblendet werden.

Eine Sache, die ich wohl niemals erwartet hätte: Ausgerechnet messer hat es dann live so geschafft, mich zu krass packen, dass ich beinahe zu weinen angefangen habe. Die Macht von Musik ist manchmal schon beängstigend.
Ich sollte Licht spenden, doch ich brauche es selbst
Ich sollte mich wehren, doch ich bin Pazifist
Ich sammle die Gewalt, bis sie mich killt
Für mich bisher auch eher ungewöhnlich: Im Verlauf des Songs ’43 machte sich David einmal auf den Weg von der Bühne hin zum Front of House (kurz: FOH; das ist der Bereich, von dem aus für gewöhnlich die Ton- und Lichttechnik gesteuert werden). Dort zeigte er sich wie gewohnt als besonders politisches Sprachrohr der Band und kritisierte etwa den immer schlimmer werdenden Rechtsruck in Europa und der ganzen Welt, bevor er sich vom Publikum wieder zurück zur Bühne tragen ließ.


Besonders glücklich machte mich persönlich auch, dass Valhalla als letzter Song des regulären Sets gespielt wurde. Denn ich muss gestehen, dass ich mich damals, als ich 2014 auf FJØRT stieß, noch nicht mit jedem Song anfreunden konnte. Dieser Track war zusammen mit D’accord und Hallo Zukunft maßgeblich daran beteiligt, dass der Funke bei mir übersprang und weckt dementsprechend besonders nostalgische Erinnerungen.
Nach dem Ende des regulären Sets ließ sich die Band zum Glück nicht allzu lange bitten. Schon bei der ersten Zugabe yin kämpfte ich erneut mit den Tränen, was neben der krassen Atmosphäre sicher auch ein Stück weit daran liegt, dass dieser Song dazu geführt hatte, dass ich an diesem Abend überhaupt dort stehen konnte. Nachdem feivel dann in meine eh schon offen klaffende emotionale Wunde traf, folgte mit nacht ein krönender Abschluss der Song, der mich als allererstes auf belle époque begeistert hatte.
Nach dem Konzert nahm sich die Band noch ganz geduldig Zeit im Foyer und so nutzte auch ich meine Chance, um zumindest kurz zu zeigen, dass ich wieder da bin. Und was soll ich sagen… es gibt Bands, die liefern nur auf der Bühne ab. Und dann gibt es eben FJØRT, die auch abseits davon dafür Sorgen, dass man den Glauben an die Menschheit noch nicht komplett aufgibt. Und dafür kann ich nur aus tiefstem Herzen DANKE sagen.
Wenn ich diesen Abend irgendwie zusammenfassen müsste, dann würde ich wohl sagen:
Kein Zurück,
nur zurück zu mir
Setlist FJØRT
- ær
- Südwärts
- Anthrazit
- kolt
- Windschief
- mir
- lod
- bonheur
- fernost
- messer
- ’43
- Couleur
- Valhalla
- yin
- feivel
- nacht
Fotos: FJØRT auf BÉ FJØRT Tour 2026 im FZW Dortmund
w/ Ashes of Pompeii
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag dient der Nachberichterstattung und ermöglichte mir einen (kostenfreien) Besuch der Veranstaltung. Abseits dieser Vereinbarung wurden keine Absprachen bezüglich der Beitragsinhalte getroffen. Sämtliche Veröffentlichungen zur Veranstaltung entsprechen meiner persönlichen Meinung.




