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Frittenbude – Mindestens in 1000 Jahren

Als Kind der „Neuen Bundesländer“ bin ich von Klein auf eher linksgrünversifft erzogen worden. Ich fand gemeinsames Miteinander schon immer ganz toll und Nazis schon immer doof. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis ich von den Bands Egotronic und Frittenbude hörte. Doch wie es als Schülerin auf dem Dorf eben so ist, waren die Konzerte rar gesät und so verstrichen die Jahre, ohne die beiden Bands je live erlebt zu haben.

Um euch hier wirklich keinen Scheiß zu erzählen habe ich noch einmal in meinen digitalen Erinnerungen gekramt. Auf meiner Suche stolperte ich über ein Video, welches ich damals mit meinem Freundeskreis auf Facebook teilte. Sein Beschreibungstext liest sich, als sei ich bei Verfassen frische Absolventin der für ihre gnadenlose Härte bekannten Schule des Lebens gewesen: 19.08.2012 – ein Stückchen Glück und Freiheit…
Tatsächlich zeigt der 4:25 Minuten lange Clip unzählige ausgelassen tanzende, klatschende und jubelnde Menschen vor einer Bühne, auf der schemenhaft eine Band samt lebensgroßem Panda und Delfin zu sehen sind. Nur wenige Augenblicke zuvor bin ich ungelogen vor einer langweiligen Performance auf der Main Stage geflüchtet und dabei direkt in eine Polonäse hineingestolpert – Für mich die allergrößte Freude auf Erden, für meine Begleitung das Unbehagen in seiner Reinform. Das Highfield Festival ging vorbei, doch das Gefühl blieb: Wenn es etwas Erstrebenswertes geben sollte, dann auf jeden Fall ein weiteres Konzert von Frittenbude. Und da ich ja mittlerweile offiziell erwachsen war, nutzte ich die mir gebotenen Chancen: Sei es mit unerträglichem Geschubse auf dem Kosmonaut Festival 2013, unerträglichem Gegrabsche auf dem Greenville Festival 2013 oder fast unerträglich viel Freude und Pogo bei ://about firebrigade 2015. Auf ersterem beschloss ich übrigens, dass ich jenen Typen heiraten möchte, der mir ein Shirt von Audiolith schenkt. Man möge diese Geste bitte nicht missbrauchen, vielen Dank.

Andere Zeit, andere Menschen, andere Umgebung, andere Musik. Über einen längeren Zeitraum hinfort schwärmt mir eine Freundin immer und immer wieder von Findus vor. Als die Band in meiner Stadt spielt, nutze ich die Gelegenheit, packe meine Kamera ein und fotografiere auf dem Konzert. Unerfahren wie ich bin, nutze ich die Freiheit ohne besondere Regeln und verscherze es mir mit all meinem nervigen Geknipse direkt beim Frontmann. Außerdem stelle ich an diesem Abend fest, dass ich manche Songtexte kenne und die Band wohl schon seit Jahren immer wieder gehört, diesen Umstand nur aber immer wieder vergessen hatte. Hallo, ich bin Tini und ich bin offensichtlich ziemlich dumm.
Als wäre das alles nicht schon seltsam genug gewesen, fotografiere ich die Band noch einmal auf einem Campusfest in Duisburg, ehe sich ihre Auflösung anbahnt. Scheint ein Muster bei mir zu sein: Erst ist man menschlich ziemlich weird, dann passiert irgendwas mit Duisburg und zum Schluss geht etwas in die Brüche. Ehrensache, dass ich mir die Chance nicht nehmen lasse und gemeinsam mit meiner guten Freundin zum tränenreichen Abschied nach Hamburg reise. Eines meiner dort entstanden Fotos hat es dann sogar tatsächlich auf meine Visitenkarten geschafft.

2019. Immer wieder lese ich vom namen LUEAM und muss dabei an diesen Frontmann von Findus denken – ehe ich endlich fündig werde und mich sofort in die erste Single 009 Statussymbole verliebe. Während Findus für mich einfach nur cool waren, ist LUEAM wie geschaffen für meine Lebenslage:

Ich will jeden Satz, den ich sage auch so meinen
Statussymbole – scheißegal…

LUEAM – 009 Statussymbole

Es kommt eins zum Andern, LUEAM läuft bei mir in Dauerschleife und ich werde in die Kantine Köln zum Interview eingeladen. Passend dazu erlebe ich an diesem Abend auch noch den Soundcheck beider Acts. Nach Außen hin bleibe ich so ruhig wie mir nur möglich, nach Innen hin flippe ich hier und da dann doch kurz mal vor Freude aus, dass das ausgerechnet mir passieren darf.

LUEAM eröffnet das Konzert mit leichter Verspätung. Verhältnismäßig weniges und dafür atmosphärisches Licht umschmeicheln ihn und seinen Kollegen an Gitarre und Tasten und auch wenn mich einige Findus-Fans sicher dafür lynchen wollen werden: Ich hab das Gefühl, dass Simeon hier genau das tut, was er gerade fühlt und braucht. So lässig entspannt wie er da seine Songs performt, habe ich ihn zuvor noch nicht erlebt. Während ich mir zunächst noch unsicher bin, was das Publikum von seinem ungewöhnlichen Auftritt hält, vernehme ich schließlich schallenden Applaus und Jubel. Verdient!

Etwas später übernehmen dann die alten Hase von Frittenbude die Bühne. Es braucht ein paar Songs, doch dann befinde ich mich in einer riesigen Party voller Crowdsurfing, Wasserpistolen, Konfetti und extrem vieler in Merch gehüllter textsicherer Menschen im Taumel von Freude und Ekstase. Ein ganz besonderes Highlight: An Stelle des Love A-Frontmanns Jörkk Mechenbier übernimmt kein Geringerer als LUEAM heute den Gast-Part in Die Dunkelheit darf niemals siegen.

Fotos: Frittenbude & LUEAM in der Kantine Köln

Transparenzhinweis: Ich durfte das Konzert kostenlos besuchen. Meine Persönliche Meinung vom Event bleibt davon unberührt.

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