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[dropcap]F[/dropcap]ucking Berlin ist die Verfilmung des im Jahre 2008 erschienenen gleichnamigen autobiografischen Romans einer Italienerin, die sich hinter dem Autorenpseudonym Sonia Rossi versteckt. Es hagelte damals zum Großteil eher negative Kritiken, die sich vor allem über die Doppelmoral stürzten: Einerseits einen Roman über Gelegenheitsprostitution schreiben und andererseits die Anerkennung der Sexarbeit als normalen Beruf fordern.

Der Plot des Films lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Mathematikstudentin Sonja kostet ihr Leben in vollen Zügen aus und rutscht zwar aus einer Notsituation heraus – und dennoch in gewisser Weise freiwillig – in die Sexarbeit hinein. In der Geschichte geht es trotzdem nicht im Kern um das Doppelleben zwischen Studium und Prostitution, sondern vielmehr um Selbstfindung in einer neuen Stadt, um Menschlichkeit, Rückhalt und Liebe.

Fucking Berlin hat es in sich, weiß den Zuschauer zu packen, ermöglicht trotz ihrer eher ungewöhnlichen Lebenswelt eine Identifikation und ein Mitfühlen mit der Hauptfigur. Abgesehen von der etwas skurrilen Umsetzung so mancher sexueller Handlung (obwohl der Film an anderer Stelle zeigt, dass es auch ästhetisch geht), stört eigentlich nur eine unglaublich schlecht gespielte Nebenrolle: jene des vor Klischees triefenden türkischen Mädchens im Falafelimbiss, gespielt von Beauty-YouTuberin Nihan Sen, bekannt unter dem Nutzernamen Nihan0311. Es wirkt an dieser Stelle so, als hätte man krampfhaft noch versucht, ein bekanntes Gesicht einzubinden.

Der Rest weiß zu überzeugen – allen voran meiner Meinung nach Hauptdarstellerin Svenja Jung in der Rolle der Sonja und Christin Nicols als Mandy – Euch vielleicht bereits bekannt vom Elektro-Punk-Rock-Duo Prada Meinhoff.

Und auch der Soundtrack spricht für sich. So trifft man während des Films nicht nur auf viele gut platzierte Tracks von Alle Farben, sondern auch auf alte Bekannte bei Schallgefluester: Prada Meinhoff und The Emma Project – in beiden Fällen wirklich passend in die Handlung integriert.

Fucking Berlin erschien am 06. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray * und wird an folgenden Terminen im Rahmen einer kleinen Release-Tour in ausgewählten Clubs gezeigt:

10.10.16, 20:00 Uhr Berlin Prince Charles, Prinzenstraße 85f
12.10.16, 20:30 Uhr München Harry Klein, Sonnenstraße 8
13.10.16, 20:00 Uhr Hamburg Terrace Hill, Feldstraße 66
14.10.16, 20:00 Uhr Köln Reineke Fuchs, Aachener Str. 50

Wer deutschen Filmen nicht direkt einen Stempel aufdrückt, sondern hier und da auch mal eine Chance gibt und zudem mindestens 16 Jahre alt ist, sollte sich Fucking Berlin auf jeden Fall ruhig einmal ansehen.

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