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[dropcap]S[/dropcap]hows mit The Smith Street Band, Millencolin oder Gaslight Anthem auf der ganzen Welt, Auftritte auf dem Highfield, Hurricane, Southside, Reeperbahn Festival und Open Flair, Ausstieg zweier Bandmitglieder – in den vergangenen Jahren ist Einiges im britischen Hause Apologies, I Have None passiert. Nach der Ende April erschienenen Split-EP mit Luca Brasi folgt nun der nächste große Streich: Das neue Album mit dem Titel „Pharmacie“.

Fakten: Apologies, I Have None – Pharmacie

Apologies, I Have None
Name Pharmacie von Apologies, I Have None ¹
Erschienen am 26.08.2016 via Uncle M/Cargo Records
Musikstil Heartcore
Spieldauer 46:01 min verteilt auf 10 Songs
Weitere Infos Facebook Webseite Instagram YouTube
zu erwerben via Amazon*, iTunes und Co.

Äußere Werte: „Pharmacie“ von Apologies, I Have None

Eine Hausfassade, rechts unten ein älteres Schild mit einem dunkelgrünen Kreuz und der Aufschrift „Pharmacie“. Links oben der Bandname „Apologies, I Have None“ auf zwei Zeilen verteilt, letztere davon zusätzlich unterstrichen. Das eher in tristeren Farben gehaltene Foto wird von einem dünneren hellen und einem dickeren dunklen und leicht transparenten Farben umgeben. So viel zur reinen Wiedergabe der Sinneseindrücke bei einem Blick auf das Cover des zweiten Albums der Briten von „Apologies, I Have None“. Was dahinter steckt? Ich kann zu großen Teilen nur spekulieren.
„Pharmacie“ ist die französischsprachige Bezeichnung für eine Apotheke. Hat Frontmann Josh McKenzie etwa aufgrund seiner eher angeschlagenen mentalen Gesundheit eine ganz besondere Beziehung zu Apotheken aufgebaut? Die Farben wurden entsättigt, alles wirkt etwas verwaschen. Vermutlich wird es ernster, vielleicht auch düsterer. Ein Fröhlich-durch-die-Gegend-tanz-Album lässt sich aufgrund des Looks tendenziell eher ausschließen.
Was ich zumindest im Vorfeld schon herausfinden konnte: „Pharmacie“ ist zu einem großen Teil autobiografisch geprägt.

Apologies I Have None Pharmacie

Innere Werte: „Pharmacie“ von Apologies, I Have None

Die Platte startet mit einem noch eher glatt wirkenden und nahezu hymnenartigen und dennoch leichten „Love & Medication“. Schon hier fällt mir auf, wie befremdlich es wirkt, wenn ein eher depressiver Text auf musikalische Leichtigkeit stößt. Doch seltsamerweise fühlt sich das gar nicht so falsch an. Das Album gewinnt mit „Wraith“ an musikalischem Dreck, Stimmgewalt und Melodik und spielt ziemlich erstmals deutlich auf ein Liebespaar und seine Probleme im Zuge des raschen Verfalls mentaler Gesundheit an. „What the fuck did I wake up for, when each and all my actions, every step I take are just slow motion replays of previous mistakes?“ „The Clarity Of Morning“ knüpft nahezu nahtlos an und macht einen gewissen Selbsthass des Protagonisten spürbar. „I’m sorry. When I said I didn’t love you what I meant was I hate myself.“ Sprachlosigkeit und Gänsehaut von Kopf bis Fuß. „Crooked Teeth“ kommt im Kontrast zu manch anderem Song sehr minimalistisch um die Ecke. Zudem schreit dieser Track lautstark danach, in Kürze tausendfach zitiert zu werden:„Everybody’s so fucking perfect, your only ever high. The only time you seem to crack a smile but when first impressions count do you want a flash of crooked teeth to count you out?“ Besonders die Backing Vocals gegen Ende des Songs lassen ihn dennoch ziemlich atmosphärisch wirken. Mit „Everybody Wants To Talk About Mental Health“ kommt wieder etwas mehr Geschwindigkeit auf. Ist man eigentlich man selbst, im nie enden wollenden Gerangel um Schönheit und Reichtümer? Wie gut, dass dieser Song selbst auch Lichtblicke aufzeigt: „I know it’s fucked up / I know it’s a cold world / Turn our backs and leave, we could just turn our backs and leave.“
Mit „Killers“, dem mit stolzen 8:36 Minuten eindeutig längsten Song des Albums, packt die Band noch einmal das ganze Spektrum krassester atmosphärischer Sounds aus. Und auch textlich geht dieser Track unter die Haut. Das eigene Selbst geht unter, das für Außenstehende erkennbare Gesicht ist ein völlig anderes. Eine Anspielung auf die Veränderungen nach dem Erfolg des Debütalbums? „A Pharmacy in Paris“ bereitet dem Album nach einer emotionalen Achterbahnfahrt ein episches 6:16 Minuten langes und schlussendlich sogar recht optimistisches Ende: „Take all that extra energy that we would use to fight and pour it into the foundations of the building of a life. I can see it now, almost close to perfect. It could be you, her and I living by a pharmacy in Paris.“

Ein besonders erwähnenswerter Schachzug ist die recht auffällige Zitation verschiedenster Werke. So beinhaltet „Anything Chemical“ etwa eine Stelle aus „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson. In „Everybody Wants To Talk About Mental Health“ wird hingegen der Grabstein des englischen Dichters John Keats zitiert, während „A Pharmacy in Paris“ einen Teil aus „American Psycho“ von Bret Easton Ellis wiedergibt. Man könnte meinen, man hätte es hier mit einem großen Fan von Literatur zu tun…

Obwohl Frontmann und Songwriter Josh McKenzie überhaupt nicht persönlich kenne, mache ich mir nach Durchhören des Albums Sorgen um seinen mentalen Zustand. Wer selbst behauptet, ungern über sich und seine psychischen Probleme zu reden und der Welt sein Seelenleben dennoch auf so bewegende Art und Weise vor der Füße kotzt, der scheint echt in der Klemme zu stecken. Und ich hoffe so sehr, dass er in der Lage ist, das alles noch zu handlen.

Mein Fazit zu „Pharmacie“ von Apologies, I Have None

Entschuldigt meine Ausdrucksweise, doch mich beschleicht der Eindruck, die zehn Songs von „Pharmacie“ hätten mich gewaltig gefickt. Es ist, als hätte ich persönlich eine Gefühlsachterbahn durchlebt und würde nun im Anschluss daran völlig erschöpft zusammensinken. Diese spürbaren Wechsel von Licht und Schatten in jedem einzelnen Song berühren einfach zutiefst. Apologies, I Have None sind keine leichte Kost.

Wer sich für eine gestandene Persönlichkeit hält, auf charmantes British English, emotionsgeladene poetische Lyrics mit Tiefgang und stark melodiöse Instrumentale steht und sich bei Konzerten gern laut mitgrölend mit Anderen in den Armen liegen möchte, der sollte sich „Pharmacie“ von Apologies, I Have None nicht entgehen und sich zudem auf einem der unten stehenden Tourdaten blicken lassen. Weiterhin möchte ich an dieser Stelle noch auf den kostenlosen Download der Single „Love & Medication“ hinweisen und die Musikvideos zu „Wraith“ und „Everybody Wants To Talk About Mental Health“ droppen:

Anspieltipps: Wraith, The Clarity Of Morning, Everybody Wants To Talk About Mental Health, Killers

Apologies, I Have None auf Tour

präsentiert von: Visions Magazin, tape.tv, Skate-Aid, Ox-Fanzine & livegigs.de, Fuze, Getaddicted.org

21.09.16
BE – Antwerpen Kavka
23.09.16 Münster Sputnikhalle (The M-Pire Strikes Back Festival)
24.09.16 Bremen Tower¹
25.09.16 Hamburg Hafenklang¹
26.09.16 Berlin Musik & Frieden¹
27.09.16 CZ – Prag 007¹
28.09.16 Leipzig Conne Island¹
29.09.16 AT – Wien Arena¹
30.09.16 CH – Luzern Treibhaus
01.10.16 FR – Strassbourg Caj Molodoi
03.10.16 CH – Genf Kalvingrad/Usine¹
04.10.16 CH – Bern Rössli¹
05.10.16 CH – Rorschach Treppenhaus¹
06.10.16 München Sunny Red¹
07.10.16 Lindau Club Vaudeville¹
08.10.16 Karlsruhe Alte Hackerei
09.10.16 Wiesbaden Schlachthof¹
11.10.16 Trier Exhaus¹
12.10.16 Koblenz Circus Maximus¹
13.10.16 Hannover Lux¹
14.10.16 Köln MTC¹
15.10.16 Amsterdam Sugarfactory¹
16.10.16 Eindhoven Dynamo¹

¹ Support: Blackout Problems

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