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[dropcap]K[/dropcap]aum wird es wärmer, schon drehen die Zugverbindungen durch. Jeden Sommer kommt die Hitze überraschender denn je. Dieses Mal nun ausgerechnet zu Start von Bochum Total. Trotzdem versuchen wir unser Bestes und berichten vier Tage lang vom Festival. Am Donnerstag ging es für uns mit Jonah los.

Langsam habe ich keine Lust mehr. Ich bin kurz davor, aufzugeben und wieder den Heimweg anzutreten. Doch endlich die Ansage. Nach knappen zwanzig Minuten Verspätung soll unser Zug auf dem Gleis gegenüber einfahren.
Dort drin fühlt es sich an wie in einem Backofen. Selbst das Zuwedeln von Luft bringt keine Abkühlung mehr. Würden wir doch wenigstens endlich in Bochum ankommen…
Plötzlich die Ansage, dieses Abteil würde bis zur Endhaltestelle nicht mehr geöffnet und wir sollen in ein anderes umsteigen. Der Sicherheit wegen. Mittelschwere Krise.
Im anderen Waggon angekommen ist es dort tatsächlich erträglicher. Die Verspätung beträgt nun aber trotzdem schon dreißig Minuten, womit ich nicht mehr pünktlich zu Jonah vor Ort bin und innerlich schwer leide.

Dann noch umständlich den Infostand suchen, einen Fotopass ohne Bändchen bekommen und ab zur 1LIVE Bühne. Nette Menschen von Greenpeace eiskalt stehen lassen, Tunnelblick. Gänsehaut. Ich verschwinde in meine eigene Welt. Jonah klingen so unfassbar international, ihre Instrumentale sind groß, nehmen Raum ein und auch wenn ein Song eher eintönig wirken könnte, es ist alles so gut arrangiert, dass man sich auch da nicht langweilen kann. Obwohl nicht unfassbar viel auf der Bühne passiert, ist einfach Präsenz da.
Schnell noch für einen Song in den Bühnengraben. Wenn nicht, hätte ich auch wie am Spieß geschrien! Danke, werte Security.

Ich mische mich unter das Publikum, das zum Glück noch nicht allzu dicht gedrängt ist. Hier sitzt man sogar mittendrin auf dem Boden. Fans pusten Seifenblasen in die Luft, der Lichttechniker macht seinen Job hervorragend und ich genieße die restliche Zeit vor der Bühne. Ich strahle vor mich hin, stets mit leicht feuchten Augen. Und das nicht etwa, weil meine Augen schwitzen. Bei „All we are“ kann ich mich dann nicht mehr halten und spüre, weiterhin mit Gänsehaut, Tränen über meine Wangen kullern. Es fühlt sich gut an, wirklich gut. Es tut meiner Seele gut. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich der Band meine Gefühlslage mitteile. Sprachlosigkeit auf beiden Seiten. Danke Jonah.

Der WDR steht neben uns und gibt sich dieses Mal nicht so unprofessionell wie etwa in Duisburg. Auf Störenfriede wird mit der Kamera drauf gehalten, es sollen sogar weitere Menschen mehr Stimmung machen. Das ist denen aber plötzlich peinlich.
Dafür gibt es nun auch kein kostenloses Wasser mehr an der Seite des Bühnengrabens. Stattdessen wird man nur noch fies angegrinst und es wird auf später verwiesen. Aber immerhin hören wir noch etwas vom neuen Phrasennmäher-Welthit, welcher spontan während des Soundchecks entsteht: „Sinalco, Toiletten….“ – dieser Ohrwurm hält an.
Wir entscheiden uns trotzdem dafür, dass ich in meiner Jonah-Bubble verweilen darf und fahren für diesen Tag auch schon wieder nach Hause.

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